kritiken
- eine auswahl
Werner
Schwab "Volksvernichtung oder meine Leber ist
sinnlos"
"Regisseur Franz Burkhard hat es fertig gebracht,
aus Schwabs gemischtem Chor der Monsterphrasen und
Koprolalien die einzelnen Figuren mit dem Skalpell
herauszuarbeiten, ihnen gegenüber der allmächtigen
Sprache, dem „Schwabisch“ mit seinen
getürkten Prä- und Suffixen, ein eigenes
Gewicht zu verleihen. Freilich sind sie immer noch
sprachfixiert, Bauchrednerpuppen eines Geist und
Körper lenkenden Unbewussten; aber wenigstens
ansatzweise ist in diesen Figuren ihre Verlorenheit,
ihre Verzweiflung und Hilflosigkeit über das
beschissene und zugeschüttete Leben, dem zu
frönen sie verdammt sind, da. Das genügt.
So ist es eine erstaunliche Leistung geworden. Burkhard
hat mit seinen herausragenden Schauspielern zweifellos
eine wunderbare Arbeit geleistet, die trotz `säuischer`
Inhalte stellenweise sehr poetisch ist."
Jérôme Netgen, Tageblatt 2006
Neil
Simon "Ein seltsames Paar"
"Regisseur Franz Burkhard (...) setzt auf putzmunteres
Spiel, „sitzende“ Pointen. Er übernimmt
des Autors Hang zu Klamottigem ebenso wie dessen
Finesse bei Hintergründigem, zu praller Komik
ebenso wie zu ironisch verpackter Tragik. So wird
jeder Anspruch durchaus bedient, den Boulevard eben
erfüllen kann."
Ursula Fuchs-Materny, Dresdner Neueste Nachrichten
2003
Gotthold
Ephraim Lessing "Nathan der Weise"
"Und der Ulmer `Nathan`? Er komprimiert die
Geschichte: hier Jerusalem, dort Auschwitz. Märchenhaft
ist dieser `Nathan` nicht, aber packend. (...) so
präsentiert dieser die Ringparabel nicht als
wunderschönen Text und einlullende Therapie,
sondern als bedrängende Szene (...) nicht Nathan
der Weise tritt vor das Publikum, sondern Nathan
der Einsame oder Nathan der Bittere. Ein gezeichneter
Mann, dem die guten Worte, überzeugenden Parabeln,
klugen Reden nicht immer zungenfertig zu Gebote
stehen. (...) Das Premierenpublikum klatschte der
starken Aufführung den verdienten starken Beifall."
H.v. Neubeck, Südwestpresse 2002
Johann
Nestroy "Frühere Verhältnisse"
"Die Regisseure haben Nestroys Dialoge und
Couplets aktualisiert und bedienen sich seines wirbelnden
Witzes wie einer Einladung zum allseitigen Vergnügen.
Nestroy, so schrieb Karl Kraus, habe seine Welt
erst in der Überzeugung gefestigt, sie sei
die beste der Welten, um sie dann zu sprengen. Burkhard/
Konnarek sprengen ihre Welt von Beginn an, so dass
man im Parkett stets gewiss ist, sich auf der sicheren
Seite zu befinden. Hedi Kriegeskotte hat einen großen
Auftritt als Kantatensängerin. Auf diesen eigentlich
sprachlosen Moment hat das worthörige Stuttgarter
Theaterpublikum lange gewartet. Er wird gefeiert
wie schon lange keiner mehr."
P. Kümel, Stuttgarter Nachrichten 1999
"Nestroys
kaputter Kosmos entsteht durch Sprache, es sind
die Abgründe täglichen Ehehorrors und
Domestikenelends. Diese trostlosen Abgründe
hinter blendendem Witz zu verstecken, ist auch die
Kunst der Doppelregie von Franz Burkhard und Ernst
Konnarek.
Wie hätte Nestroy gesagt: Schmeicheleien habt
ihr von mir nicht zu befürchten – drum
sag ich´s schlicht: es war ein Abend der Hyperlative."
W. Rösner, SWR 2, 1999
"Es
ist zum Schreien! Am lautesten Schreien, möchten
wir bei Gottfried Breitfuß, der als Muffel
ein ganz gehässiges Subjekt abgibt und in seinem
Auftrittsmonolog ein Feuerwerk der Bösartigkeit
abbrennt. Nach zwei urkomischen und kurzweiligen
Stunden voller Nestroyscher Sprach- und Schauspielereien
geht im kleinen Haus der Vorhang wieder zu."
R. Müller, Stuttgarter Zeitung 1999
Josef
Hader/ Alfred Dorfer "Indien"
"Nach diesem Theatererlebnis tritt man hinaus
in die Wirklichkeit und hat irgendwie das Gefühl,
an einem besseren Ort angekommen zu sein –
unweit von Indien eben."
Th. Thieringer, Süddeutsche Zeitung 1996
Matthias
Beltz "Ich bin nichts. Ich hab nichts. Aber
ich lach mich tot."
"Die Regie strukturiert, die vielen Minieinlagen
und Conferencen durch intensives Wechselspiel, durch
Ausbrüche und Pausen der Erschöpfung,
durch angeregtes Stakkato und zuweilen virtuos gesteigerter
Blödeleien."
S. Kienzle, Darmstädter Echo 1997 |