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- eine auswahl
Harold
Pinter „Der stumme Diener/ Jean Genet "Unter
Aufsicht"
"Virtuos verkettet Regisseur Jürgen Kruse
die beiden Einakter untereinander. Durch leitmotivische
Songs à la Lou Reed oder Jacques Brel, Textverzahnungen
und jeder Menge Symbolik. Wie etwa Michelangelos
Schöpferhand, deren Finger kein göttlicher
Funke entspringt, sondern den Mörder zeichenhaft
aus dem Kreis der Mitgefangenen hervorhebt. (...)
Mit beeindruckender Intensität schafft Steve
Karier auf der Mainzer Studiobühne TiC das
Umschalten von Pinterscher absurd ins Leere laufender
Lakonie und den existenziellen Gefühls-Eruptionen
Genets. Postmodernistische Zitat-Einsprengsel aus
"Faust", "Hamlet", "Casablanca"
oder "Paris, Texas" verfugen das dunkle
Gewebe der sich ineinander verfangenen Unterwelten.
(...)
Dass die Doppel-Inszenierung (...)
eine beklemmende atmosphärische Dichte atmet,
liegt auch am verästelt-offenen Bühnenbild
Tim Pannens und einer homogenen Leistung des Ensembles.
Ein bedenkenswerter Theaterabend, wenn die Frühlingstage
zu hell werden."
Michael Jacobs, Allgemeine Zeitung Mainz und
Wiesbadener Kurier 2005
William
Shakespeare "Othello"
"Wohl selten war so gut zu sehen, welch dunkles
Werk Shakespeares `Othello` ist, wie jetzt in den
Kammerspielen des Deutschen Theaters Berlin. Der
Eindruck entsteht, weil außer den bei Nacht
angesetzten überhaupt alle Szenen hier in eine
Art elisabethanische Finsternis getaucht sind. Die
Inszenierung von Jürgen Kruse, der das Theater
auch sonst als radikal verschatteten Unterboden
der Leidenschaften begreift, findet in einer Rumpelkammer
der Mythen und Motive statt. (...) Der General Othello
ist und bleibt ein Fremder. Ornamentale Tätowierungen
auf dem Oberkörper und dem Gesicht zeigen die
kulturelle Differenz zu seinem Umfeld. Er erscheint
wie der personifizierte Dschungelkrieger mit origineller
Tarnbemalung, obwohl er feine gestreifte Hosen und
einen eleganten Waffenrock trägt. Bei Wolfram
Koch, der ihn als melancholisch-reizbaren Draufgänger
mit leidgestählter Unerbittlichkeit vorführt,
schimmert immer wieder die außereuropäische
Prägung dieses aufgestiegenen Zuwanderers durch.
Othellos Tattoos sind ein Ausdruck seiner grenzenlosen
Einsamkeit und ein Panzer gegen das Chaos der ihm
unerklärlichen Zeit."
Frankfurter Allgemeine Zeitung 2004
Federico
Carcia Lorca "Bluthochzeit"
"Lorcas Text kommt Kruses Ästhetik der
Zersplitterungen entgegen, weil er Prosa und gedichtet-verdichtete
Passagen mischt. Manchmal verstummen Musik und Parallelaktionen,
kurz konzentrieren sich alle auf die Poesie der
Worte. Größeren Respekt hat Kruse in
den letzten Jahren kaum einem Autor erwiesen. (...)
Weil Kruse kein cooler Zyniker ist, der die Theatermaschine
vorführt, aus- und überreizt, sondern
bei allem Hang zu Komik und Kalauer, zur Ablenkung
und Assoziation im Kern eine „wahre“
Bluthochzeit inszeniert."
Stefan Keim, Frankfurter Rundschau 2004
Sam
Shepard "True Dylan"
"Sam Shepard deutet eine surreale Ebene an,
Jürgen Kruse weitet sie in seiner subtilen
und vielschichtigen Inszenierung zu einer dauerhaft
gespenstischen Atmosphäre aus. (...)
Entspannt schwermütig sitzen Bob und Sam zusammen
und versuchen ein Gespräch über das Leben
und die Musik, über Träume und Frauen
zu führen. Sie sind sich nahe, wenn sie schweigen.
Die Worte treffen die Dinge nicht, in ihnen finden
die beiden keine Wahrheit. (...)
Wenn die beiden, während unaufhörlich
der Ozean rauscht, für einen Augenblick auf
die gleiche Wellenlänge gelangen, wirken sie
wie ein Paar aus einem Beckett-Stück, verbunden
in Einsamkeit. Dann musizieren sie zusammen (...)
und in den Songs, die nicht nur von Bob Dylan stammen,
finden sie einen Ausdruck ihrer Gefühle, Momente
der Wahrheit."
Stefan Keim, Frankfurter Rundschau 2002
Arthur
Miller "Tod eines Handlungsreisenden"
"Kruse zeigt, auch in ihren Schwächen,
starke Figuren, die sich hineingerackert haben ins
Leben. Sie geben vor, alles im Griff zu haben, machen
Pläne, die diesmal ganz gewiss Erfolg bringen
werden. Und sehen ganz klar, dass das Glück,
das der Tüchtige braucht, nicht auf ihrer Seite
ist, dass sie letztlich kleine arme Versager sind,
Durchschnitt, Nobodys. Höchst spannend ist,
wie es Kruse und den Darstellern der Familie Loman
gelingt, die Verletzungen dieser Menschen bloßzulegen
und ihnen dabei nichts von ihrer Würde zu nehmen.
Strebend haben sie sich bemüht und haben sich
darüber nicht mehr wahrgenommen, sind in die
Einsamkeit der Lüge geraten. Wenn Biff sich
an Vater Willy klammert ist das ganze Elend dieser
Welt ins Bild gebannt – großartiges
Theater."
tsr, Süddeutsche Zeitung 2001
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