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- eine auswahl
Albert
Camus "Die Gerechten"
"Die Figuren in dieser Inszenierung kommen
mit der Welt nicht klar und behalten Recht. Sie
sind Würmer und gehen am Ende demonstrativ
zurück in den Dreck, aus dem sie gekommen sind,
denn sie stellen fest, dass es keine Freiheit gibt,
noch nicht einmal im Tod. Die ganze anstrengende
Inszenierung atmet diese Kälte. (...)
Es macht wenig Sinn, Einzelleistungen der schier
Übermenschliches leistenden Darsteller hervorzuheben.
Die Inszenierung ist wahrlich das quählendste,
aufwühlendste Stück Theater, das die Bühne
in den letzten (wirklich guten) Jahren zustande
gebracht hat. Man spürt wieder etwas. Es lebe
das Leben."
N. Seidel, Dresdner Neueste Nachrichten 2003
Sergi
Belbel "Nach dem Regen"
"Die Leiber, wie immer bei Emig-Könning,
wissen mehr, als die Köpfe zu ahnen haben.
Ein antipsychologisches Enthüllungstheater
(...)
Aber Belbels dunklen Visionen angemessen ist diese
in Vorpommern ganz außergewöhnliche Arbeit
allemal."
Nikolaus Merck, Theater der Zeit 2004
"Medea"
nach Seneca
"In der kleinen Moerser Kapelle inszeniert
Regisseurin Christina Emig-Könning Medeas Konflikt
und ihre Rache als ein fortwährendes Aufbrechen
von Narben und Erinnerungsspuren. Die Intimität
des Raumes wird dabei optimal genutzt. (...)
Der Regisseurin gelingen viele bildgewaltige Szenen,
die Bordband spielt live, die Schauspieler agieren
mit vollem Körpereinsatz und teilweise bis
zur körperlichen Schmerzgrenze. (...)
Medeas Rachefeldzug zum Finale, erscheint angesichts
der ungerechten patriarchalischen Machtstrukturen
als nachvollziehbare Handlung. Das Töten ist
hier keine Rache, sondern ein Versuch der Auslöschung
ihrer eigenen Erinnerungen und eine Verweigerung
der ihr zugedachten Rolle."
Johanna Renger, Theater der Zeit 2004
Tom
Peuckert "Nietzsche – ein Visionär
gibt seine Abschiedsvorstellung"
"Das ist wie eine schmerzhafte Errektion, die
sich in rigide Bilder, in die orgiastische Schönheit
der Selbstzerstörung ergießt. In ihr
tickt eine Zeitbombe, ein Sprengsatz (...).
Vielleicht ist Christina Emig-Könning, in Thüringen
keine Unbekannte, in ihren Bühnenarbeiten noch
nie soweit gegangen wie jetzt in diesem Satyrspiel
von Tom Peuckert."
B. Baake, Thüringer Allgemeine 2001
Irvine
Welsh "Trainspotting"
"Der Abend erzählt härter als der
gleichnamige Film, mit radikaleren Mitteln: und
die Rostocker Fassung ist entschieden politischer.
Das Stadttheater-Ensemble verlässt die eigenen
Säle und zieht mitten in die Szene auf das
Kunst-Raum-Schiff `MS Stubnitz`. (...)
Am Ende kehrt sich das Bild völlig um: in dem
großen Loch schwebt nun ein riesiger aufgeblasener
Erdball. Auf ihm versammeln sich jene drei der einst
süchtigen Junkie-Quartetts, die nun `clean`
sind, verwehren einem Süchtigen den Zutritt
zu dieser Welt. Die `cleane` Welt ist voll irrer
bunter Hoffnungslosigkeit: eine schöne neue
bittertraurige Welt."
D. Pätzold, Ostseezeitung 1998 |